Es war ein sehr heisser Sommertag. Wir fuhren auf der Hardstrasse, als wir kurz vor dem Albisriederplatz in einen kurzen Stau gerieten. Aus dem Autofenster konnte ich einen älteren Mann sehen, der gerade versuchte ein Einkaufswägeli mühsam über die Unebenheiten des Trottoirs vorwärts zu bringen. Der Einkaufswagen war bis auf Brusthöhe mit in Plastik eingeschweissten PET-Faschen mit Mineralwasser gefüllt. Er war bereits etwas ausser Atem und wischte sich immer wieder mit dem Ärmel seines viel zu warmen Jackets den Schweiss von der Stirn. Wobei jedesmal sein Wägeli den Kurs änderte und auf die Fahrbahn zu seinen grossen Verwandten fahren wollte.
Der Verkehr ging indessen immer noch nicht weiter, und ich schaute weiter dem armen Mann auf seinem Leidensweg zu. Er kam unendlich langsam vorwärts, und als er endlich auf ungefähr meiner Höhe angelangt war, hielt er unvermittelt inne, stellte den Wagen so, dass er sich nicht mehr zu verselbständigen drohte. Er hatte den Brunnen entdeckt, welcher gleich hinter dem Trottoir am Eingang zum kleinen Park stand. Er beugte sich über den Wasserhahn und Trank in grossen Schlucken das frische und kühle Züri-Wasser. Als er sich nach einer Weile mit sichtlicher Erleichterung wieder erhob, trafen sich unsere Blicke. Seine Augen folgten den meinen, wie sie zwischen dem Einkaufwägeli voller Wasserflaschen und dem Brunnen hin und her wanderten. Und plötzlich verstand er, warum ich ihn so verwundert betrachtete und wir mussten beide lachen.