Kulturflatrate – Ein neues Rennen beginnt

Was ich heute bei Golem gelesen habe könnte man mit dem typischen Satz “Ich habe eine gute und eine schlechte Nachricht …” umschrieben werden.

Warner Music steuert auf “Kulturflatrate” zu

Die gute Nachricht: Die Major Labels denken um. Sie sehen ein, dass absichtlich verkrüppelte Hardware, komplizierte technische Schutzmassnahmen, welche jeweils wenige Woche halten, und vor allem weltweit Massen von Schülern und Omas, bis gar Verstorbene mit Klagen einzudecken, Schadenersatzfoderungen welche diese nie und nimmer zu Lebzeiten begleichen können, all diese Massnahme retten eine überflüssig gewordene Branche nicht.

Ein normaler Mensch hat darin wohl nie ein zukunftsweisendes Geschäftsmodell entdecken können, aber die Manager der grossen Konzerne ticken anders. Sie verdienen ja auch ein bisschen mehr und sehen, von ihrer gehobenen Stellung aus, vielleicht Sachen die wir hier unten nicht sehen können.

Die schlechte Nachricht, wird erst am Schluss des obengenannten Artikels angesprochen.

Die die vom Label nun entwickelten Modelle, werden wohl kaum in technischer Einfachheit und Eleganz glänzen, auch erwarte ich keine Verbesserung der Situation für die Künstler. Am wenigsten für die kleineren und unabhängigen, oder deren Labels.

Ein Major Label versucht hier mit einer, zugegeben, innovativen und diesmal etwas realitätsbezogener Variante, ihre Pfründe zu sichern. Dabei rechnet derWirt aber wieder mal ohne den Gast. Ein Major Label hat in der zukünftigen Kulturwelt keinen Platz mehr, ob mit DRM oder mit Flatrate. Wenn wir endlich wieder kulturelle Vielfalt haben, erübrigt sich das Wörtchen Major vor dem Label.

3 thoughts on “Kulturflatrate – Ein neues Rennen beginnt

  1. never ending story…
    in unserem system wird wert mehrheitlich mit geld abgerechnet. so auch tendenziell wichtige dinge wie essen, gesundheit und miete. find ich nicht unbedingt immer nur toll, ist aber so. folgende möglichkeiten gibts nun: variante eins: man hat nun glück und hat von diesem geld eh genug. variante zwei: man lässt sichs geben von anderen, oder, variante drei: man versucht selber irgendwie mit arbeit dazu zu kommen. ersteres ist bei mir nicht der fall. variante zwei kommt für mich nicht in frage da ich mich in der lage fühle plan drei zu gehen, was zwar vielleicht härter, aber wesentlich befriedigender und freier ist als variante zwei, welche ja gerade in der schweiz, durchaus eine alternative ist.
    wieso dass nun musik, oder auch andere kunst, nun wesentlich geringer oder gar nicht mehr abgegolten werden soll, ist mir ein rätsel – ein wertezerfall sondergleichen. bloss wegen der technik? alles andere kostet weiterhin oder wird gar teurer? wo bleibt die konsequenz? von was sollen die musiker leben? die werden auf variante zwei oder drei mit anderer betätigung gehen müssen – ausser sie gehören zu nummer eins. wo soll die grenze sein? wieso für ein t-shirt bezahlen und nicht für musik? es ist eine leistung die abgegolten wird – die bestimmt wird von angebot und nachfrage – und nur die technik lässt nun übrhaupt diese diskussionen aufkommen. wenn schon, müsste das ganze system verändert werden – alles andere ist inkonsequent und haltlos. es erstaunt mich nicht, dass die befürworter dieser idee fast ausschliesslich nutzniesser der varianten eins und zwei sind…

  2. Lieber Rolf,
    Vielleicht suggeriert mein Text oben etwas anderes, ich möchte hier deshalb nochmal klar festhalten, dass ich nicht gegen eine Bezahlung von Musik bin. Im Gegenteil. Das Modell der Kulturflatrate ist mir dabei am sympatischsten. Ich sprach schon vor Jahren davon. Wenn sie nun endlich ernsthaft diskutiert wird, finde ich das deshalb sehr gut. Aber ich finde nicht das man diese wichtige Entwicklung den Major-Labels überlassen sollte.
    Und zu deiner Ausführung möchte ich noch folgendes Anmerken:
    Musik gibt es seit es Menschen gibt, seit mehreren hunderttausend Jahren. Nur wegen der Technik, dem Datenträger, ist daraus ein Geschäft entstanden, weil dadurch die Musik vom körperlosen Dasein (ähnlich wie Sprache) zum Ding wurde und als Ding verkauft werden konnte. Wenn sich diese Technik nun weiter wandelt, und schliesslich der Datenträger überflüssig und Daten, wieder nur Daten ohne Träger werden, Musik nur noch Musik ohne Schallplatte, dann ist nach einer kurzen Zeit von nur hundert Jahren, die Freiheit der Musik wieder hergestellt. Bei T-Shirts und anderen “Dingen”, wird es so bleiben, dass sie hergestellt und bezahlt werden.
    Das System muss verändert werden, immer und überall. Perfekte Systeme gibt es nicht. Das ist Konsequenz. Und wenn die heutige globalisierte kapitalistische Welt so einfach wäre wie du es dir mit deinen drei Varianten zurecht legst, dann wäre es tatsächlich einfach konsenquent zu sein. Leider ist die Welt einiges komplizierter.

  3. …egal wie es diskutiert wird, entscheidend ist die Verteilung der Gelder bzw. der Flatrate. Konkret; wer verteilt wie die Flatrate. Am M4Music 07 hat dazu der ehemalige Manager von Pink Floyd vorgeschlagen dass die öffentliche Hand die letzte Meile, bzw. den Traffic kontrollieren müsste um einen gerechten Verteilschlüssel zu gewährleisten. Problem hier ist dass man die letzte Meile privatisieren will. Achtung!, es geht nicht an dass hier die Industrie komische Verteilschlüssel plötzlich und ausversehen zu ihren Gunsten gestaltet. Deshalb und umso mehr muss hier mitgeredet werden. Anders hinkt man immer hinten nach.

    So auch Herr Brandenburg vom Frauenhofer, er vergleicht am M4Music 08, Musik mit Mineralwasser. Damit meint er gratis aus jedem Hanen und doch ein Verkaufsprodukt. Ist Musik ein freies Gut? Hier gehts um Wertschätzung!

    so mein input…thomas

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