… meint der unbestrittene Guru für Computersicherheit Bruce Schneier.
In seinem Blog zählt er seit einiger Zeit die schlimmsten Auswüchse auf, zu denen die globale kollektive Panik und Paranoia von Terrror-Anschlägen führen. Hier ein paar Müsterchen:
Blinder Calypso Musiker und Band aus Flugzueug entfernt
Die Crew eines Fluges der Ryan-Air von Sardinien nach London, geleitete die Musiker eine Calypso-Band aus dem Flugzeug, nach dem ein Passagier, der sich als Professor für Psychologie ausgab, die Musiker unter Terrorverdacht stellte. Begründung: Diese wären auf dem Flughafen noch als gut gelaunte Gruppe unterwegs gewesen, im Flugzeug aber ruhig in getrennten Sitzen gesessen. Ausserdem bestehe die Möglichkeit das der Band-Leader mit Sonnenbrille seine Blindheit nur vortäuschen würde. Als sich immer mehr Passagiere der Meinung des “Experten” anschlossen, beschloss der Captain die Verdächtigen aus Sicherheitsgründen nicht mitfliegen zu lassen. Sie übernachteten auf Bänken im, zu dieser Stunde bereits geschlossenen, Flughafen. Artikel dazu im Guardian.
Jüdischer Passagier im Zug verhaftet
In einem Zug welcher frühmorgens aus Chicago abfährt, beginnt ein gläubiger Jude mit seinem Morgengebet. Beim diesem Ritual sind sog. Tefillin vorgeschrieben. Kleine schwarze Kästchen, welche mit schwarzen Bändern auf die Stirn und um den Arm gebunden werden. Mitreisende, welche offenbar mit den jüdischen Traditionen nicht vertraut sind, eilen zum Zugbelgleiter und melden, ein Mann würde sich eine Box an den Kopf binden, welche durch diversen Kabel angeschlossen sei.
Der Terrorismus Verdacht erhärtet sich, da der Mann, vom Zugbegleiter auf sein Verhalten angesprochen nicht reagiert, da er sich von seinen Gebeten nicht ablenken lassen will.
Vollends in Panik geraten die Passagiere, als sich in der Nähe des betenden Juden und vermeintlichen Terroristen, noch ein Mann mit Nah-Östlichem Aussehen und einem Turban hinsetzt.
Darauf wird der Zug auf der Strecke angehalten, von der Polizei gestürmt und mit Hunden auf Sprengstoff untersucht. Der Jude wird verhaftet. Artikel dazu auf ynetnews.com.
Leser aus dem Pub geworfen
In Australien wird ein Lehrer durch die hauseigene Security aus dem Lokal geleitet. Andere Gäste haben die Sicherheitsleute auf das Buch aufmerksam gemacht, welches der Lehrer, der zu einer Konferenz in der Stadt weilt auf seinem Tisch liegen hat: “The unknown Terrorist” von Richard Flanagan.
Ironie der Geschichte: Das Buch ist ein Roman, dessen Hauptfigur fälschlicherweise als Terroristin verdächtigt wird. Artikel dazu in der Cairns-Post.
Feuerwehr aufgehalten
Ein Restaurant brennt in Clinton County in den Vereingten Staaten, nahe der kanadischen Grenze. Die örtliche freiwillige Feuerwehr ist mit der Brandbekämpfung überfordert und fordert deshalb Verstärkung von der Kanadischen Feuerwehr an. Mit der Feuerwehr von Quebec hat sie ein Abkommen zur gegenseitiges Unterstützung abgeschlossen.
Aber die zu Hilfe eilende kanadische Feuerwehr kommt, trotz Blaulicht und Sirene, erst mal nur bis zum US Grenzposten. Dort wird sie volle acht Minuten durch Überprüfung der Identität der Feuerwehrleute aufgehalten. Unter anderem wird auch wird kontrolliert, ob das Nummernschild des Feuerwehrautos als gestohlen gemeldet ist. Das Restaurant ist inzwischen vollständig abgebrannt. Artikel dazu auf CNN.
Bewusstloser Diabetiker mit Taser im Bus “erschossen”
Im englischen Leeds macht sich ein Mann, mit dem Bus, auf den Weg ein paar Freunde zu besuchen. Wegen seiner Diabetes fällt er aber in ein Koma.
Wegen des Mannes, der über seinem Rucksack zusammengekauert, reglos da sitzt, wird die Polizei ins Bus-Depot gerufen. Da der Mann auch auf die Fragen der Polizisten keinerlei Reaktion zeigt, schiesst ein Polizist sicherheitshalber zwei Mal mit seiner Taser-Waffe aus nächster Nähe auf den Bewusstlosen, während ihm ein zweiter Polizist seine konventionelle Schusswaffe an die Schläfe hält.
Der Mann wird darauf gefesselt und in einen Polizeiwagen verfrachtet. Erst da wird den Polizisten endlich bewusst, dass es sich hier um einen medizinischen Notfall handelt, da der Diabetiker, eben für solche Fälle, eine Plakette mit Warnungen und Anweisungen um den Hals trägt. Er wird darauf hin notfallmässig ins Spital eingeliefert. Artikel auf BBC News.
Risiko-Management
… So haben viele Amerikaner nach den terroristischen Anschlägen auf die Twin Towers 2001 versucht, das Risiko des Fliegens zu minimieren oder zu vermeiden, indem sie lange Strecken mit dem Privatwagen zurücklegten. In den 12 Monaten nach 9/11 wurden fünf Prozent mehr Fahrten auf den Highways registriert – mit dem Effekt, dass beim Versuch, dem gefürchteten Tod in der Luft zu entrinnen, 1500 Amerikaner mehr als sonst auf den Strassen umgekommen sind. …
Besprechung eines Buches über Intuition im heutigen Kulturteil des Tages-Anzeigers.